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Solo Exhibition · Einzelausstellung
»Berlin 1860 – 2023«
Apr 12 — Sep 1, 2024
»Berlin 1860 – 2023«
Apr 12 — Sep 1, 2024

Michael Wesely

Curated by · Kuratiert von: Ludger Derenthal

How can a city’s spatial and architectural development dynamics be visualised photographically? How can photography capture time and life? In two new bodies of work, the internationally renowned photographer Michael Wesely traces fragments of past realities preserved in historical architectural photographs of Berlin. In doing so, he explores the archival dimensions of the medium of photography.

For Doubleday, Michael Wesely precisely superimposes his own photographs over old photographs of 19th and 20th-century architecture in Berlin, creating breathtaking leaps in time between the past and the present: 19th-century strollers on Alexanderplatz encounter today’s tourists; reconstructed copies of the buildings are superimposed onto ruins; and a park has taken the place of Monbijou Palace.

In his Human Conditions series, the artist focuses on the traces of people’s lives around 1900 enclosed in the Prussian Photogrammetric Institute’s large-format photographs. Wesely is particularly fascinated by the spooky disappearance of people in motion, whose contours have not been captured by the long exposure times, and whose shadowy figures he meticulously exlicits.

The Museum für Fotografie is also presenting works by Michael Wesely from previous years. These include the recently completed cycle about Leipziger Platz and Potsdamer Platz that followed the development of the new city quarter from 1997 to 2021. Another group of works shows demonstrations and protest gatherings, each of which Wesely photographed with exposure times of a few minutes and whose transient nature has left only traces and ghostly apparitions. These photographs are brought into dialogue with photojournalistic images of urban life and demonstrations by Willy Römer and Bernard Larsson from the Kunstbibliothek’s photography collection.

A special exhibition of the Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin.

Wie lässt sich die räumliche und architektonische Entwicklungsdynamik einer Stadt fotografisch visualisieren? Wie kann Fotografie überhaupt Zeit und Leben einfangen? In zwei neuen Werkkomplexen spürt der international bekannte Fotograf Michael Wesely die in historischen Architekturfotografien Berlins bewahrten Fragmente vergangener Wirklichkeiten auf, um die archivischen Dimensionen des Mediums Fotografie zu erforschen. Für „Doubleday“ legt Wesely seine eigenen Aufnahmen passgenau über alte Fotografien Berliner Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert und schafft damit atemberaubende Zeitsprünge zwischen Einst und Heute. Und in der Serie „Human Conditions“ richtet der Künstler den Fokus auf die in den großformatigen Aufnahmen der Preußischen Messbildanstalt eingeschlossenen Lebensspuren der Menschen um 1900.

Michael Wesely (*1963), Absolvent der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie und der Akademie der Bildenden Künste in München, erfasst mit seinen oft extremen Langzeitbelichtungen Prozesse, die sich über Zeiträume von Minuten, vielen Stunden bis hin zu Jahren erstrecken. Die Kamera ist bei ihm statisch, sie nimmt die vergehende Zeit auf: für fünf Minuten sich mehr oder weniger stillhaltende Menschen, in einigen Tagen aufblühende und verwelkende Pflanzen, über Jahre im Bau entstehende Architektur. Immer schon befragte er die Grenzen des Mediums. An der Münchner Akademie entstanden Langzeitbelichtungen, bei denen er den Verschluss für die Dauer des Unterrichts in der Aktklasse, für die Dauer eines Vortrags oder für einen Tag in der Bibliothek geöffnet hielt. In die digitale Fotografie gewandelt, bleibt die Kamera ebenfalls fest an einem Ort installiert, doch werden hier täglich – oft über Jahre hinweg – hunderte Aufnahmen übereinandergelegt. In Langzeitprojekten fotografierte er die Errichtung einiger bedeutender städtebaulicher Strukturen in München, Berlin, São Paulo und anderen Städten. Von vorab auf Jahre festgelegten Standorten begleitete er den Umbau des Museum of Modern Art in New York (2001–2004) und die fünfjährige Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Für die beiden neuen Werkkomplexe seiner Ausstellung im Museum für Fotografie hat Michael Wesely andere fotografische Verfahren des Festhaltens von Zeit entwickelt. Eine über mehr als 150 Jahre fotografisch erfasste Berliner Architektur- und Stadtgeschichte steht im Fokus der Serie „Doubleday“. Wesely untersucht hier in Überblendungen die durch Sprünge und Disruptionen geprägte Entstehung und Entwicklung der Großstadt. Die Arbeiten entstehen aus der Überblendung seiner am jeweils gleichen Ort gemachten Bilder mit historischen Aufnahmen berühmter Fotografen. Dazu zählen Fotografien von Friedrich Albert Schwartz, Albrecht Meydenbauer, Waldemar Titzenthaler, Max Missmann, Hein Gorny, Martin Badekow, Rolf Goetze aus den Sammlungen der Kunstbibliothek, des Brandenburgischen Landesdenkmalamts, des Stadtmuseums Berlin, des Landesarchivs Berlin, dem bpk-Bildarchiv, der Collection Regard und aus Privatsammlungen. Vom Alexanderplatz bis in die Gegend um den Bahnhof Zoo nahmen sie die bedeutenden Gebäude der Stadt in den Blick, dokumentierten städtebauliche Veränderungen, die Modernisierung der Stadt, ihre Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wie auch den Wiederaufbau.

Wesely fragt nun nach den heute noch sichtbaren Spuren der alten Bauwerke und legt gleichermaßen die oft massive Umgestaltung des städtischen Raums offen. Gleich einem Palimpsest, das in der Überlagerung unterschiedliche Überlieferungsschichten einer Urkunde offenbart, legen sich die Bildschichten übereinander. Flaneure des 19. Jahrhunderts am Alexanderplatz begegnen in „Doubleday“ Tourist*innen von heute, Ruinen werden von ihren wiederaufgebauten Kopien überblendet, an die Stelle des Schlosses Monbijou ist ein Park getreten. Das Prinzip der Überlagerung von historischen Fotografien mit neuen eigenen Aufnahmen setzte Wesely bereits 2018 in seiner Serie zum Landhaus Lemke von Mies van der Rohe Haus in Berlin-Weißensee, bei der er die Bilder des Interieurs von 1938 zur Grundlage nahm.

Für „Human Conditions“ begibt sich Michael Wesely auf eine detektivische Suche nach dem Alltäglichen. Die von Albrecht Meydenbauer begründete Königlich Preußische Messbilderanstalt machte es sich ab 1885 zur Aufgabe, ein fotografisches Archiv der deutschen Baudenkmäler zu errichten, das wegen der hohen Präzision der Aufnahmen, zusammen mit messtechnischen Blättern, eine exakte Dokumentation und Rekonstruktion der Bauten ermöglichen sollte. Es entstanden zehntausende Aufnahmen auf Glasnegativen im Großformat 40 x 40 cm, die heute im Brandenburgischen Landesdenkmalamt aufbewahrt werden. Die von Wesely aufwendig digital gescannten Negative wurden von ihm neu gesehen und bis in kleinste Details untersucht. Allerdings ging es ihm hier nicht um die Gebäude, sondern um die Spuren fotografischer Arbeitsprozesse wie Retuschen und Überblendungen, Auskratzungen und Übermalungen. Weselys Faszination gilt insbesondere dem spukhaften Verschwinden von Menschen in Bewegung, deren Konturen durch die langen Aufnahmezeiten nicht festgehalten wurden und deren Schemen er akribisch herauspräpariert. Die von ihm ausgewählten Bildausschnitte machen diese Spuren erst sichtbar.

Neben den beiden neuen Werkkomplexen präsentiert das Museum für Fotografie auch ausgewählte Arbeiten Weselys aus vergangenen Jahren. Dazu zählt der erst kürzlich abgeschlossene Zyklus zum Leipziger und Potsdamer Platz, der die Entstehung des neuen Stadtquartiers von 1997 bis 2021 verfolgte. Im Kontrast dazu stehen Fotografien der Bildagentur Willy Römer aus der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek, die das urbane Leben der 1910er bis 1930er Jahre auf den beiden Plätzen festhalten.

Eine weitere Werkgruppe zeigt Demonstrationen und Protestversammlungen: Den Vorbeimarsch der Demonstranten der Black Lives Matter-Bewegung auf dem Alexanderplatz, den Women’s March oder einen Umzug zum 1. Mai an der Potsdamer Brücke wurden von Wesely jeweils für einige Minuten aufgenommen. Und auch diese Ereignisse hinterlassen in ihrer Flüchtigkeit Spuren und Schemen. Sie werden mit bildjournalistisch erfassten Demonstrationen der Novemberrevolution von Willy Römer und den Aufnahmen der Studentenrevolte der späten 1960er Jahre von Bernard Larsson ins Gespräch gebracht.

„Michael Wesely. Berlin 1860 – 2023“ wird kuratiert von Ludger Derenthal, Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek.

Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin.

Framework program

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Thursday, Apr 11, 2024, 7 pm
Opening reception
Introduction:
Prof. Dr. Moritz Wullen, director Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin and Dr. Ludger Derenthal, Director Photographic Collection of the Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin. The artist is present.

Sunday, Apr 14 & 28, May 12 & 26, June 9 & 23, 2024, 4 – 5 pm
Guided tours (de): »Michael Wesely. Berlin 1860 – 2023. Ein Rundgang«
Participation fee including admission: 15/10 €, limited number of participants, online booking required.

Sunday, May 5 & June 2 & July 7 & Aug 4, 2024
Guided tours (de): »Wesely entdeckt.«
Short, free guided tours on Museum Sunday. Start at 12 noon & 1/2/3 pm.
Details

Guided tours for groups
Duration: 60 minutes. Held in German: 100 € plus admission, other languages: 100 € plus admission. Max. 25 participants. Booking via +49 30 266 42 42 42,

Further accompanying events are offered for families, young adults and schools. Those are held in German. Please see the tab Begleitprogramm for further details.

Begleitprogramm

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Donnerstag, 11. Apr 2024, 19 Uhr
Vernissage
Einführung:
Prof. Dr. Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, und Dr. Ludger Derenthal, Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek. Der Künstler ist anwesend.

Bildung und Vermittlung der Kunstbibliothek und im Museum für Fotografie
Mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot richtet sich die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin an verschiedene Nutzergruppen: Kinder und Familien, Jugendliche und Erwachsene, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen, Individualbesucher*innen und Besucher*innengruppen.

Sonntag, 14. & 28. Apr, 12. & 26. Mai, 9. & 23. Juni, 2024, 16 – 17 Uhr
Führungen (de) für Einzelbesucher*innen: »Michael Wesely. Berlin 1860 – 2023. Ein Rundgang«
Wie lässt sich die räumliche und architektonische Entwicklungsdynamik einer Stadt fotografisch visualisieren? Wie kann Fotografie überhaupt Zeit und Leben einfangen? In dem Ausstellungsrundgang spüren Sie dem innovativen Ansatz des international bekannten Fotografen Michael Wesely nach. Er verwendet historische Berliner Architekturfotografien, bindet sie in seine neuen Werke ein und schafft damit atemberaubende Zeitsprünge zwischen Einst und Heute.
Teilnahmegebühr inkl. Eintritt: 15/10 €, Begrenzte Teilnehmer*innenzahl. Online-Buchung erforderlich.

Sonntag, 5. Mai & 2. Juni & 7. Juli & 4. Aug 2024, 12/13/14/15 Uhr
Kurzführungen (de) für Einzelbesucher*innen: »Wesely entdeckt.«
Entdecken Sie historische Berliner Architekturfotografien und atemberaubende Zeitsprünge zwischen Einst und Heute. Kostenfreie Kurzführungen am Museumssonntag, Start: 12/13/14/15 Uhr. Kostenfrei.
Details

Buchbare Führungen für Gruppen
Dauer: 60 Minuten. Deutsch: 100 € zzgl. Eintritt / fremdsprachig: 100 € zzgl. Eintritt. Max. 25 Teilnehmer. Ab sofort buchbar unter Tel. +49 30 266 42 42 42,

Sonntag, 5. Mai, 2. Juni, 7. Juli, 4. Aug 2024, 12 – 16 Uhr
Offenes Fotostudio für Familien 
In unserem Fotostudio können Porträts mit der ganzen Familie gemacht werden. Was alles in 6 min Belichtungszeit passieren kann? Finden Sie es heraus.
Details

Samstag, 27. Apr, 25. Mai, 22. Juni, 27. Juli, 24. Aug 2024, 11 Uhr 
Fotowalk für Familien / Fotosafari
Auf den Spuren von Michael Wesely geht es auf Fotosafari rund ins Viertel am Zoo. Entdeckt und fotografiert werden Überbleibsel und Überlagerungen Berliner Architekturgeschichte. Gemeinsam gehen Sie der Frage nach: kann Fotografie überhaupt das Leben abbilden? Momente festhalten? Und wenn ja, wie?
Teilnahmegebühr inkl. Eintritt: 10 € pro Familie (ab 2 Personen), 15 € pro Familie (ab 3 Personen). Begrenzte Teilnehmerzahl. Online-Buchung empfohlen.
Details

Di – Do / 11 – 15 Uhr / Termin noch offen (dreitägig)
Ferienworkshop für Jugendliche ab 13 Jahre: »Fotografische Details ganz groß«
In der Ausstellung entdeckst du die Vielfalt der fotografischen Ausdrucks- formen. Im Workshop gehst Du den Spuren der abgebildeten oder verschwundenen Menschen auf den Fotos nach. Zusammen mit einer Fotografin lässt Du Details ganz groß werden, Menschen verschwinden lassen und erzählst deine Geschichte zu den Bildern. Teilnahmegebühr: 36 €. Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich.
Details

Angebot für Schulen:
Ausstellungsgespräch für SEK I, SEK II: »Die Zeit im Bild«
Kann man Zeit fotografieren? Wer ist im Bild und wer nicht? In diesem Ausstellungsgespräch wird der Frage nachgegangen, wie und weshalb Fotografien bearbeitet, verändern wurden. Die Arbeiten von Michael Wesely verändern den Blick auf das scheinbar objektive Medium Fotografie und regen zum Nachdenken über den Lauf der Zeit und die Bedeutung von Details an, gestern und heute.
Dauer: 60 Minuten Kosten: 30 € Anmeldung erforderlich.
Details

Angebot für Schulen:
Workshop für SEK I, SEK II (ab 15 Jahre): »Der Teufel steckt im Detail – Warum Bilder bearbeitet werden«
Fotografie wirkt oft wie ein Realitätsverstärker, sie zeichnet Dinge auf, die der Wahrnehmung entgehen. Was kann man auf Fotografien entdecken, was unbeabsichtigt aufs Bild gelangt ist? Was tun Fotograf*innen gegen solchen ungewollten „Beifang“? Die Schüler*innen diskutieren anhand der Messbild-Vergrößerungen von Michael Wesely und aktueller Beispiele über das scheinbar objektive Medium Fotografie. Im Anschluss entdecken sie selbst spannende Details auf historischen Stadtfotografien und bearbeiten diese mit digitalen Anwendungen.
Hinweis: für den Workshop benötigt jede*r Schüler*in ein eigenes Smartphone. Ab 15 Teilnehmer*innen wird die Gruppe geteilt. Dauer: 120 Minuten. Kosten: 60 €. Anmeldung erforderlich.
Details

Angebot für Schulen:
Workshop für GS, SEK I, SEK II (ab 10 Jahre): »Magische Doppelbilder«
Kann man Zeit fotografieren? Bilden Fotografien die Wirklichkeit ab oder erschaffen sie eine eigene Realität? Wann und warum werden Bilder bearbeitet? Die Arbeiten von Michael Wesely verändern den Blick auf das scheinbar objektive Medium Fotografie. Im Anschluss bearbeiten die Schüler*innen Fotografien mit analogen Mitteln, überblenden historische Aufnahmen mit aktuellen Fotografien und schaffen so ihren ganz persönlichen fotografischen „Zeitsprung“.
Ab 15 Teilnehmer*innen wird die Gruppe geteilt. Dauer: 180 Minuten Kosten: 90 € Anmeldung erforderlich.
Details

Information und Anmeldung
Staatliche Museen zu Berlin | Bildung, Vermittlung, Besucherdienste
Telefon: +49 (0)30 266 42 42 42 (Mo – Fr, 9 – 16 Uhr) | Fax: +49 (0)30 266 42 22 90 | | www.smb.museum

Museum für Fotografie
Museum für Fotografie · Jebensstraße 2 · 10623 Berlin
District · Ortsteil: Charlottenburg
Borough · Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Opening hours: Tue & Wed 11 am – 7 pm, Thu 11 am – 8 pm, Fr – Sun 11 am – 7 pm
Öffnungszeiten: Di & Mi 11 – 19 Uhr, Do 11 – 20, Fr – So 11 – 19 Uhr
Admission · Eintritt: 12/6 € · Barrier-free access · Barrierefreier Zugang
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